Eigeninitiative

Von MICHAEL THIELE

LOKALAUSGABE WAZ 26.07.1982

Ab Oktober geht es in der „Rockfabrik“ rund

Musikertreff arbeitet in Eigeninitiative

(rk) „Den Herren vom Bauamt standen vor Rührung fast die Tränen in den Augen“, berichtet ein Sprecher des Herner Musikertreffs. Am 1. Juli wurde die künftige Rockfabrik „Auf dem Stennert 10“ den Jugendlichen zum Umbau übergeben – vier Tage später hatten die Notenkünstler schon kräftig Hand angelegt, um bald den Installateuren und Elektrikern die Feinarbeit überlassen zu. können.
Die Vorgeschichte des Herner Musikertreffs nahm ihren Anfang im Jugendheim. Auf’m Kolm. Übungsräume wurden knapp und die einzelnen Gruppen hatten untereinander gewisse Spannung. In der ‚Wanner Musikerinitiative fühlten sich Herner Musiker auch nicht heimisch. „Es tobte mehr der Konkurrenzkampf, als dass, wir gegenseitig Erfahrungen austauschten“, erläutert ein Sprecher des Musikertreffs.
So kam den lokalen Notenartisten das Angebot von Peter Janzhoff sehr entgegen, den Keller des Jugendfreizeitheimes Auf’m KoIm als Übungsraum umzurüsten. Der gewichtige Sozialarbeiter verfolgte damit zugleich zwei Interessen.
Zum einen wurde den Musikern eine kostenlose Bleibe zum Proben und zum Erfahrungsaustausch angeboten. Zum anderen konnte er als Attraktion für die Jugendlichen im Freizeitheim gelegentliche‘ Rock-Konzerte organisieren.
Einmal in der Woche trafen sich die Musiker zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch. Natürlich war auch im Jugendzentrum das Platzangebot bei weitem zu gering. 

Musiker bekommen eigenes Tonstudio.

Die Leute des Musikertreffs erinnerten sich also an ein Wahlversprechen von Oberbürgermeister Manfred Urbanski, das Haus „Am Stennert“ zur Verfügung zu stellen. Erstaunlich schnell wurde ein Kompromiss geschlossen: Die Stadt zahlt und die Jugendlichen bauen die „Fabrik“ soweit wie möglich aus. „Sobald wir ins Haus durften, arbeiteten wir wie die Wilden“, beschreibt ein Musiker die Situation. Durchbrüche wurden geschlagen, Nischen für die noch fehlenden Heizungen wurden in die Wände gemeißelt; kurz um alles was die Jugendlichen in Eigeninitiative organisieren konnten, wurde in Angriff genommen. Die Fachleute vom Bauamt waren mit der raschen Arbeit zufrieden. Im Oktober, so hofft man auf beiden Seiten, wird die Rockfabrik dem Musikertreff end gültig zur Verfügung stehen. Dann wird auf zwei Etagen und in einem Anbau Rock produziert.

Selbst ein eigenes Tonstudio soll eingerichtet werden, wenngleich die Stadt in diesem Raum nur die notwendigen. Isolierungen vornimmt, die technische Ausstattung muss im Laufe dar Zeit vom Musikertreff beigesteuert werden. Es ist eine Leistung der Stadt, dass sie trotz der finanziellen Situation einiges in die Renovierung des Hauses steckt“, freut sich ein Sprecher des Musikertreffs. „Unser Wunschzettel wurde fast ausnahmslos erfüllt.“

Open-air-Konzerte

Neben den. Ausreichenden Übungsräumen im Haus können die Gruppen auch das große Freigelände hinter dem neuen Rockzentrum nutzen. Im Sommer ist das für Openair Konzerte natürlich ein idealer Standort. Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt und dem Musikertreff klappte bislang nahezu reibungslos. Der Musikertreff will sich jetzt als Organisation im Vereinsregister eintragen lassen, damit die Stadt über einen „legalen“ Ansprechpartner verfügt. In der selbstverwalteten Rockfabrik an den Ostbachteichen treffen sich die 40 bis 50 Musiker nach Eröffnung zu Gesprächen im Kommunikationsraum. Momentan finden Vorbesprechungen und Erfahrungsaustausch auch schon in der werdenden Fabrik statt, da das Jugendheim Auf’m Kolm während der Ferienzeit abends nicht mehr geöffnet hat.

Das Engagement der Musiker überraschte selbst die Herren vom Bauamt. alle möglichen Arbeiten im Hause übernahmen die Jugendlichen selbst